
Was Sie über Lebensmittelallergien wissen sollten
Die neuesten Lebensmittelallergie-Forschungen haben ergeben, dass man heute empfiehlt, Babys potenziell allergieauslösende Nahrungsmittel sofort ab der Einführung fester Kost zu füttern. Das ist verwirrend? Dann lesen Sie einige der häufigsten Fragen und Antworten zur Erklärung dieser neuen Richtlinien.
Als Sie selbst im Babyalter waren, wurde Ihren Eltern wahrscheinlich geraten, Ihnen bestimmte Lebensmittel erst später zu geben. Dazu zählten in der Regel Erdnüsse, Eier, Schalentiere und Weizen.
Diese Empfehlungen wurden kürzlich revidiert. Heute soll man Lebensmittel, die häufig allergische Reaktionen auslösen, unbedingt früh in die Beikost integrieren.
Ich stille und mache mir Sorgen, dass mein sieben Monate alter Sohn auf einige der Lebensmittel, die ich esse, allergisch reagieren könnte. Sollte ich etwas aus meinem Speiseplan streichen?
Ich bin allergisch gegen Eier. Bedeutet das, dass mein Baby es auch ist? Sollte ich ihm lieber keine Eier geben?
Die Weltallergieorganisation empfiehlt stillenden Müttern, ihr Baby nicht allergenfrei zu ernähren, selbst wenn das Baby als besonders gefährdet gilt, weil ein Elternteil eine Lebensmittelallergie hat. Versuchen Sie, Ihrem Kleinen erst einmal ein ganz bisschen gut gegartes Ei zu geben und dann genau zu beobachten, ob es irgendwelche Reaktionen zeigt. Servieren Sie ihm in dieser Zeit keine anderen Speisen, die potenziell allergieauslösend sind, weil Sie sonst bei einer Reaktion nicht wissen, worauf sie zurückzuführen ist.
Sollte ich mich auf einige wenige «sichere» Lieblingsspeisen beschränken, solange mein Baby noch klein ist – etwa solche, die ich bereits ausprobiert habe und von denen ich weiss, dass es nicht allergisch darauf reagiert?
Neuigkeiten zu Erdnüssen und Gluten
Zwei Inhaltsstoffen wird sowohl von der internationalen Wissenschaft als auch von den Medien besondere Aufmerksamkeit gewidmet:
Erdnüsse
Da eine lebensbedrohliche Reaktion befürchtet werden muss, ist eine Erdnussallergie für Eltern ein echter Grund zur Sorge. Jüngste Forschungsergebnisse bei Hochrisikokindern deuten darauf hin, dass eine Erdnussallergie weniger wahrscheinlich wird, wenn Sie schon früh Lebensmittel, die (gemahlene) Erdnüsse enthalten, in die Beikost integrieren. Die neueste Empfehlung für gesunde Säuglinge, bei denen zuvor keine Allergie diagnostiziert wurde, lautet, Ihrem Baby ab einem Alter von etwa sechs Monaten erdnusshaltige Nahrungsmittel in altersgerechter Konsistenz zu geben. So können Sie z. B. ein klein wenig Erdnusspulver mit Muttermilch vermischen oder Erdnussbutter verdünnen. Denken Sie daran, dass sämtliche Nüsse gemahlen oder so stark zerkleinert werden müssen, dass kein Erstickungsrisiko besteht. Falls Ihr Kind an Neurodermitis oder anderen Lebensmittelallergien leidet, sollten Sie Erdnussprodukte nur unter ärztlicher Aufsicht einführen.
Gluten
Gluten ist ein Protein, das in Getreide wie Weizen, Gerste und Roggen vorkommt und auf das manche Menschen allergisch reagieren. Zöliakie hingegen ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das körpereigene Immunsystem auf Gluten reagiert und die Darmschleimhaut beschädigt. Wenn bereits Familienmitglieder daran leiden, hat ein Baby ein erhöhtes Risiko, selbst auch an Zöliakie zu erkranken. In den aktuellen Leitlinien wird empfohlen, gesunden Kindern ab Beginn der Beikost auch glutenhaltige Lebensmittel (die meisten Brotsorten, Nudeln, Cerealien) zu füttern. Geben Sie ihm zunächst kleine Mengen zu probieren. Und zwar zu Hause (nicht im Restaurant oder der Kita), um eventuelle Reaktionen besser überwachen zu können.
Woran erkennt man eine allergische Reaktion
Auf verschiedene Lebensmittelallergien antwortet der Körper auch mit unterschiedlichen Reaktionen. Manche treten praktisch sofort auf, manche innerhalb von einer oder zwei Stunden nach dem Verzehr.
Falls Ihr Baby auf ein bestimmtes Nahrungsmittel allergisch ist, kann sich das folgendermassen äussern:
- Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen
- Laufende Nase, Husten, Niesen, keuchender Atem oder sonstige Probleme, Luft zu bekommen
- Juckende Haut an Lippen/Mund, Ausschlag
Wenn Sie glauben, dass Ihr Kind allergisch auf ein Lebensmittel reagiert, wenden Sie sich sofort an einen Arzt.
Quellen
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Last revised: December, 2017